Wer hat Angst vor KI-Flops? (Spoiler: Wer immer noch Lizenzen „im Dutzend billiger“ verkauft)
Marktanalysten und Forscher tun völlig zu Recht ihren Job: Sie analysieren den Ist-Zustand und beleuchten empirische Trends. In den letzten Jahren haben verschiedene Berichte eine unbestreitbare Realität aufgezeigt: Ein hohes Ausfallrisiko bei KI-Pilotprojekten und ein Return on Investment (ROI), der oft hinter den anfänglichen Erwartungen zurückbleibt.
Völlig in Ordnung. Märkte reifen durch Versuch, Irrtum und Kurskorrekturen.
Was mich jedoch zutiefst beunruhigt, ist die Haltung vieler IT- und KI-Experten.

Das perfekte Alibi: Wenn immer die anderen schuld sind
Es fällt auf, wie Branchenkollegen diese negativen Ergebnisse in ihren Beiträgen und öffentlichen Äußerungen maximieren und betonen.
Da stellt sich unweigerlich die Frage: Müssen ausgerechnet diejenigen, die diesen Markt bevölkern, das Narrativ des Scheiterns befeuern?
Wenn ein KI-Pilotprojekt scheitert oder seine Ziele verfehlt, liegt die Schuld selten nur beim Kunden.
Zudem lesen wir in den Beiträgen unserer Kollegen regelmässig ein und dasselbe Mantra: "Die Technologie ist nicht schuld" und "Man muss erst die organisatorischen Prozesse anpassen, bevor man KI einführt."
Spätestens an diesem Punkt muss ich gestehen: Mir fehlen die Worte.
Ein logischer und kommerzieller Kurzschluss
Wenn die Technologie funktioniert und der Kunde keine Schuld trägt – wessen Schuld ist es dann? Die Wahrheit ist: Ein KI-Einführungsprojekt besteht nicht darin, "Software zu verkaufen", sondern eine massgeschneiderte Lösung zu liefern.
Eine Lösung, die mit einer rigorosen Organisationsanalyse beginnt, operative Auswirkungen bewertet, Workflows neu gestaltet und Technologie erst im Anschluss an diese Transformation einführt.
Wer das nicht versteht, hat schlichtweg nicht begriffen, wie man komplexe Projekte steuert.
Lügen wir uns nicht in die Tasche: Haben die meisten unserer Kollegen KI nicht exakt so verkauft wie traditionelle Software in den letzten 30 Jahren? Nämlich über Lizenzen, "im Dutzend billiger"?
Die LLM-Gebühren und die Lizenzen für CRM/ERP-Zusatzsoftware, die heute den Markt überschwemmen, wurden nicht von einer abstrakten Instanz verteilt: Sie wurden von denselben Fachleuten verkauft, die jetzt über das Versagen anderer dozieren, ohne die geringste Verantwortung zu übernehmen.
Software-Anbieter vs. Unabhängige Lösungen
Viele Fachleute loben unkritisch grosse Softwarekonzerne (Anbieter von ERP-, CRM- und PLM-Plattformen) dafür, dass sie angeblich überlegene Ergebnisse garantieren im Vergleich zu massgeschneiderten Lösungen abseits grosser Plattform-Ökosysteme.
Doch die aufschlussreichsten Marktstudien erzählen eine völlig andere Geschichte: Multi-Millionen-Erträge wurden von jenen Kunden erzielt, die mit Partnern zusammengearbeitet haben, die vom Lizenzverkauf unabhängig sind.
Wer sein Geschäftsmodell auf den Lizenzverkauf stützt und jetzt panisch versucht, KI-Add-ons obendrauf zu klatschen, versucht lediglich, einen volumengetriebenen Vertriebsprozess am Leben zu erhalten - nicht aber echte technologische und unternehmerische Wertschöpfung.
Fazit
Mehr denn je gilt: Bevor Unternehmen eine KI-Reise antreten, ist höchste Vorsicht geboten.
Technologie „im Dutzend billiger“ zu kaufen, wird niemals strukturelle Probleme lösen.
Echte professionelle Exzellenz erfordert ein kollektives Nachdenken und eine klare Entscheidung: Die Partnerschaft mit seriösen Profis, die sich nicht auf selbstreferenzielle Beiträge beschränken, sondern ihren eigenen wirtschaftlichen Erfolg an den messbaren Nutzen der Lösung knüpfen.
Ich bin davon überzeugt und bereit, es jedem zu beweisen, der das diskutieren möchte.




Kommentare